Glotze in die Vergangenheit

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Nachdem Liliana mich so nett gebeten hat ("bittää"!), meine TV-Erinnerungen niederzuschreiben, krame ich in meinem ergrauenden Haupt nach Sendungen meiner Kind- und Jugendheit.

Grundschule, 3. Klasse. Bis Samstagnachmittag mussten die Hausaufgaben gemacht sein. Warum? Dann durfte ich nämlich Captain Future schauen. Das war eine Science-Fictions-Serie, gegen die Biene Maja und Heide als das dastanden, was sie waren -- Mädchenserien. Captain Future war cool, der Macher und Oberhoncho der Galaxis. Sein Raumschiff Comet konnte ich schon blind aus Lego zusammenbauen, mit dem Realitätsgrad eines Edward-Hopper-Gemäldes auf einem VC-20.
Präpupertär wie ich war, merkte ich nicht mal ansatzweise, was für ein chauvinistisches Arschloch Captain Future war. Seine Pseudo-Freundin Joan Landor wurde von ihm als Dummchen behandelt, der Mann hatte das sagen. Ein Wunder, dass das keine bleibenden Schäden in meinem Frauenbild zur Folge hatte. Hatte es doch nicht, oder? Antworten auf diese Frage bitte nur von Männern. Ach, egal, Frauen können ja eh keinen Computer bedienen ... ;-)

Noch mehr Science-Fiction aus meiner Kindeheit? Oder besser -- aus meiner Jugend? Gern! Da gab es Die Besucher, eine tschechische Fernsehserie. Ein Team von Wissenschaftlern reist aus dem Jahr 2484 zurück ins das Jahr 1984 (genau 400 Jahre, welch Zufall), um eine Formel zu finden, die der spätere Nobelpreisträger Adam Bernau in seiner Kindheit in eines seiner Schulhefte geschrieben hat. Die Formel braucht man zur Rettung der Welt, wofür denn sonst. Die Wissenschaftler sind von der Zeitreise völlig überfordert. Aus ihrer hochtechnisierten Zukunftswelt in eine tschechische Kleinstadt versetzt zu werden -- damit kommen sie nicht wirklich zurecht. Und Adam Bernau, der sich und seine Kindheit in seinen späteren Memoiren als unschuldig und brav beschreibt, entpuppt sich als ein mit allen Wassern gewaschener Rotzlöffel.
Die Serie hatte 15 Folgen und wartete mit einer für damalige Verhältnisse, Budgets und Kinderaugen netten und originellen Tricktechnik auf -- heute zumindest etliche Lacher wert. Die Amaronen, ein Essen, das nach allem schmeckt, wurde in Stop-Motion animiert und man sah verschiedene Essenssorten durch ein Gelee wandern, bis es fest wurde. Das Wunderauto aus dem 23. Jahrhundert mit vielen bunten Lichtchen. Toll! Witzige und intelligente Geschichte, die einfach Spaß gemacht hat.

Western- und Tiersendungen ließen mich kalt, aber humorige Krimiserien mochte ich ganz gern. Neben Detektiv Rockford ("Hier ist Jim Rockford. Bitte nennen Sie ihren Namen und ihre Nummer, ich rufe zurück" -- und das Ganze auf einem Anrufbeantworter!!!) verpasste ich kaum eine Folge der Brüder Simon & Simon. Die zwei seht unterschiedlichen Brüder, die in San Diego ein Detektivbüro hatten, fand ich spannend und lustig zugleich. Ok, aus der heutigen Perspektive waren die Stories meist nicht sehr tiefgängig, aber das ständige Zoffen und Nerven der Brüder war ein Stoff für viele Gags. Ich fühlte mich dem Anarchisten Rick immer etwas näher, trage bis heute aber keine Cowboyhüte oder wohne auf einem Boot. Ich kann ja nicht mal schwimmen.

Dieser kleine Einblick in meine Fernsehvergangenheit soll genügen. Ich gehe nicht näher auf Lemmy und die Schmöker, Trickfilmzeit mit Adelheid, Luzie, der Schrecken der Straße und etliche andere Fernsehserien eingehen. Mein TV-Konsum hat über die Jahre ohnehin stark abgenommen und ich weiß gar nicht, ob die Serien meinem heutigen Anspruch genügen würden, wenn ich sie jetzt wiedersähe. Aber die Erinnerung daran möchte ich auch nicht missen.

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